Die Google-Suche steht vor ihrem größten Umbruch seit Jahrzehnten. In einem aktuellen Interview gibt Liz Reid, Head of Google Search, tiefe Einblicke in die Strategie des Unternehmens.
Für SEO zeichnet sich ein klares Bild ab: Die Suche wird multimodal, agentenbasiert und personalisiert, das heißt Suchmaschinen bekommen immer mehr und genauere Daten über uns.
Naturgemäß sieht Liz Reid die Zukunft der Suche mehr als rosig, wenn KI-Konzerne kommunizieren ist das auch immer auch als PR zu verstehen. Allerdings ist Google tatsächlich bestens gewappnet im Wettbewerb gegen die Herausforderer OpenAI oder Anthropic: der Konzern hat bereits ein gut funktionierendes Geschäftsmodell, einen riesigen technologischen Vorsprung bei der Suche und verarbeitet weiterhin täglich rund 14 Milliarden Suchanfragen, bekommt also riesige Mengen an Daten.
Inhalt
KI-Overviews als Katalysator für komplexere Suche
Entgegen der weit verbreiteten Kritik, dass die KI-Zusammenfassungen von Google den Traffic für Websiten kannibalisieren, beobachtet Reid ein verändertes Nutzerverhalten. KI senkt die Hemmschwelle, überhaupt zu suchen, das heißt, es wird mehr und auch tiefer gesucht.
“Ich war überrascht, wie schnell die Leute […] AI-Overviews schätzten, sie nutzten und einfach anfingen, mehr zu suchen.”
Reid sieht KI-Übersichten dabei als “Enabler”. Nutzer stellen Fragen, die sie früher für zu komplex hielten. Für die SEO bedeutet das: Der Fokus verschiebt sich von einfachen Faktenfragen (die Google heute direkt beantwortet) hin zu komplexen Long-Tail-Anfragen, bei denen der Nutzer nach der ersten KI-Übersicht tiefergehende Experteninhalte auf Webseiten sucht.
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Das allerdings ist bisher nur eine Behauptung: seit der Einführung der KI-Übersichten generiert Google laut Sistrix-Erhebungen im Schnitt rund 60 Prozent weniger Klicks für die Quellen, was für viele Publisher informativer Angebote existenzbedrohend ist. Welche Rolle das Urheberrecht dieser Publisher spielt und wie sie sich künftig refinanzieren sollen, darauf geht die Google-Chefin im Gespräch nicht weiter ein.
Der Aufstieg der KI-Agenten
Reid prognostiziert für die Zukunft eine Welt, in der nicht mehr nur Menschen das Web durchkämmen, sondern KI-Agenten Aufgaben im Hintergrund erledigen. Das heißt, wir lassen suchen statt selbst zu suchen und nutzen dann nur noch Tools, ohne selbst Webseiten aufzurufen. Die Webseiten dienen Agenten nur noch als Datenbank, Inhalte werden strukturiert und maschinenlesbar bereitgestellt und bei Bedarf von Agenten abgerufen.
“Ich glaube definitiv, dass es eine Welt geben wird, in der Agenten einen Großteil der Interaktion im Internet übernehmen, nicht nur Menschen. […] Eine Welt, in der viele Agenten miteinander kommunizieren.”
Webseiten müssen künftig also für zwei Zielgruppen optimiert sein. Neben dem menschlichen Leser, die weiterhin googlen werden, müssen Inhalte für KI-Agenten maschinenlesbar sein (z.B. durch perfekte Schema-Daten), damit diese Agenten die Informationen einer Seite für den Endnutzer verarbeiten und “buchen” können. Noch gibt es dafür keine etablierten Standards, aber sie werden kommen. Man sollte also laufend informieren, wie sich dieser Markt entwickelt.
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Multimodales Indexing: Google “sieht” und “hört” jetzt mit
Ein technischer Durchbruch ist die Fähigkeit von LLMs, Video- und Audioinhalte auf einer neuen Ebene zu verstehen – weit über einfache Transkripte hinaus.
“Eines der großartigen Dinge an LLMs ist, dass sie multimodal sind. Wir können Audio- und Videoinhalte jetzt auf einem Niveau verstehen, das vor Jahren noch unmöglich war. […] Nicht nur die Transkription, sondern worum es im Video wirklich geht oder welchen Stil es hat.”
Video- und Audio-Assets sind also keine “Zusatzinhalte” zum Text mehr, sondern eigenständige Informationsträger. Google indiziert nun den Kontext und Stil von Medien. Wer im Ranking bleiben will, muss Informationen in verschiedenen Formaten anbieten, da Google die passendste Medienform für die Antwort wählt. Es wird also auch schwieriger Video oder Audio-Inhalte zu vermarkten, wenn sie von LLMs aufgesaugt und neu zusammengesetzt werden.
Ob dieses Vorgehen rechtmäßig ist, werden Gerichte entscheiden müssen, aber die US-Giganten haben eine reichtlich gefüllte Kriegskasse, um das auf allen Ebenen durchzufechten und scheinen auch bereit dazu zu sein. “Don’t be evil” ist leider schon lange nicht mehr das Motto von Google und in der Debatte um die Rechte von Publishern wird das besonders deutlich, wie gnadenlos Google seine eigenen Ziele verfolgt.
Kampf gegen “AI Slop” (KI-Müll)
Google sieht sich in einem permanenten Wettrüsten gegen minderwertige, massenhaft generierte KI-Inhalte.
“Die Leute haben schon lange vor ‘AI Slop’ minderwertige Inhalte erstellt. KI erlaubt es ihnen nur, dies schneller zu tun. […] Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel. Man ist nie fertig.”
Reid sendet im Interview eine klare Warnung an Publisher: Vollautomatisierter Content ohne Mehrwert wird als Spam behandelt und nach und nach aus der Suche ausgeschlossen. Nur weil aktuell etwas funktioniert, heißt es nicht, dass das auch künftig funktionieren wird.
Wer mit längerem Horizont arbeitet, sollte auf jegliche Manipulationsversuche verzichten, es wird sich früher oder später rächen. Nur Originalität, exklusive Daten und eine eigene Perspektive rechtfertigen künftig noch eine Platzierung. vorhandenes Wissen zusammenfassen braucht künftig niemand mehr.
Personalisierung und “Preferred Sources”
Ein spannender Ausblick ist die Abkehr vom “Ein Ranking für alle”. Google will die Suchergebnisse künftig stärker personalisieren. Google hat inzwischen so viele Daten von uns, dass sie vermutlich genau vorhersagen können, welche Seiten wir bevorzugen und diese Seiten dann auch bevorzugt anzeigen. Das macht die Arbeit von SEOs künftig noch schwerer und verlagert einen wichtigen Teil der Arbeit auf Branding und PR.
“Wenn ein Nutzer eine Quelle liebt […], sollten wir sie für ihn weiter oben anzeigen. Diese Verbindung verstärken und aufbauen, anstatt alle Quellen für alle Menschen gleich zu behandeln.”
Die Markenautorität wird also zum personalisierten Rankingfaktor. Wenn Nutzer eine Seite regelmäßig besuchen oder abonnieren, wird Google diese Inhalte bei diesen spezifischen Nutzern bevorzugt ausspielen. Das Ziel von SEO verschiebt sich damit teilweise vom “Gewinnen neuer Klicks” hin zur Nutzerbindung (Retention).
Gemini vs. Google Suche
Oft wird gefragt, warum Google zwei KI-Produkte parallel betreibt, die auf den ersten Blick das Gleiche tun. Reid räumt hier mit Missverständnissen auf und definiert klare Unterschiede für beide Plattformen.
„Geminis Fokus liegt darauf, eine Art Assistent zu sein, und neigt daher stärker zu Dingen wie Produktivität oder Erstellung. Die Suche ist stärker informationsbasiert und setzt darauf, dass man in diesen Informations-Szenarien auch eine Verbindung zu anderen Menschen herstellen und von ihnen hören möchte.“
Das ist ein entscheidendes Signal für die Content-Strategie: Während Gemini Aufgaben erledigt und Texte generiert, bleibt die Suche der Ort für Information. Google positioniert die Suche weiterhin als Brücke zum Web, weil Nutzer bei harten Fakten oder komplexen Themen eine vertrauenswürdige menschliche Quelle bevorzugen.
Performance als gnadenloser Filter
Bei aller KI-Euphorie erinnert Reid an ein ehernes Gesetz der Suche, das in der Ära der rechenintensiven LLMs wichtiger denn je wird: Die absolute Geschwindigkeit.
„Die Leute reagieren bei der Suche sensibel auf Unterschiede von 100 Millisekunden […] sie werden je nach Geschwindigkeit mehr oder weniger suchen.“
Für die technische SEO bedeutet das: Auch wenn Google Inhalte jetzt „versteht“, bleibt die Performance das Fundament. Eine Website, die zu langsam lädt oder deren Datenstruktur zu komplex ist, um von einem KI-Agenten in Millisekunden erfasst zu werden, wird aussortiert. KI-Antworten müssen „instant“ sein – das gilt auch für die Quellen, auf die sie zugreifen. Die Core Web Vitals bleiben somit auch für die „Agenten-Optimierung“ eine unverzichtbare Hausaufgabe.
Globaler Wettbewerb: Wenn Sprachbarrieren fallen
Ein massiver Hebel für die nahe Zukunft ist, dass KI die sprachliche Exklusivität des Webs aufbricht. Was bisher durch Sprachbarrieren geschützt war, wird nun für den globalen Wettbewerb geöffnet.
„Mit einem LLM kann man Informationen in einer Sprache aufnehmen, sie verstehen und in einer anderen Sprache ausgeben. Das erschließt völlig neue Informationen.“
Für lokale SEO-Märkte ist das eine Warnung. Bisher war man in Nischen oft geschützt, weil internationale Top-Seiten keine lokalisierten Inhalte anboten. Wenn Google nun globale Experten-Inhalte nimmt, sie „begreift“ und in der Landessprache als KI-Overview ausgibt, konkurriert die lokale Seite plötzlich mit der weltweiten Elite. Der Sprachraum als Schutzraum für mittelmäßigen Content ist endgültig Geschichte. Allerdings zeigen zahlreiche Beispiele, dass KI-Übersetzungen für Muttersprachler häufig schlecht lesbar sind und viel Slop enthalten. Aber auch das wird sich im Lauf der Zeit immer weiter verbessern. Gleichzeitig öffnet die Technologie damit auch Märkte, zu denen man aufgrund der Sprachbarriere bisher keinen Zugang hatte.
Interner Modus: Erfinden statt Optimieren
Abschließend gibt Reid einen Einblick in den kulturellen Wandel innerhalb Googles. Das Unternehmen hat den Modus der vorsichtigen, inkrementellen Verbesserung verlassen.
„Sie optimieren nicht mehr so viel. Sie erfinden.“
Das ist der wichtigste strategische Hinweis für uns: Google ist im Angriffsmodus und bereit, die gesamte SERP-Architektur radikal über den Haufen zu werfen, um technologisch die Führung zu behaupten. Wir können uns nicht mehr auf dem „Status Quo“ ausruhen. SEO-Strategien müssen heute so flexibel sein, dass sie auch dann noch funktionieren, wenn Google die Suche komplett neu erfindet.
Was SEOs von diesem Interview mitnehmen können
Liz Reid macht deutlich, dass Google sich von einer reinen Informations-Suche zu einer handlungsorientierten Plattform entwickelt. Wer erfolgreich bleiben will, muss demnach künftig drei Dinge tun:
- Tiefe statt Breite: Erstelle Inhalte, die über das KI-Grundwissen hinausgehen.
- Multimodal denken: Nutze Video und Audio als primäre Informationsträger.
- Markenvertrauen aufbauen: Werde zur “bevorzugten Quelle” für deine Zielgruppe, um in der personalisierten Suche stattzufinden.
Quelle: Liz Reid, Head of Google Search, im Interview mit dem Podcast “Access” (2026).
Udo Raaf (Geschäftsführer)
Udo Raaf ist Publisher und SEO-Berater mit über 15 Jahren Erfahrung in der strategischen Suchmaschinenoptimierung für Unternehmen, Agenturen und gemeinnützige Organisationen.
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