“Es ist nicht…, sondern…”: Diese Form der Gegenüberstellung ist ein klassisches Werkzeug, um Botschaften zuzuspitzen und Meinungshoheit zu demonstrieren. Doch bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass die Reduzierung auf zwei gegensätzliche Pole die Wirklichkeit oft eher verschleiert als erhellt.
Einer der häufigsten Sätze innerhalb der SEO-Szene lautet: “Es kommt darauf an.” Damit weisen SEO-Experten durchaus selbstironisch darauf hin, dass es häufig keine einfachen Antworten gibt und dass Korrelation nicht mit Kausalität gleichgesetzt werden darf. Jede Website, jedes Geschäftsmodell funktioniert anders, was für Website A gut ist, kann für Website B Gift sein.
Die Interpretation von SEO-Daten basiert auf langjährigen Erfahrungswerten mit verschiedenen Webseiten und ist am Ende trotzdem immer auch Trial and Error. Das Wichtigste ist, dass Thesen am Ende auf Basis konkreter Daten bestätigt werden können.
Aktuell sehen wir uns auf Plattformen wie Linkedin oder in redaktionellen Beiträgen häufig mit einer neuen rhetorischen Figur konfrontiert, die genau das Gegenteil aussagt: “Es ist nicht dies. Sondern das.”
Ein Echo mechanischer Logik
Interessanterweise begegnet uns dieser Stil ausgerechnet jetzt so häufig, da KI-generierte Texte unseren Alltag durchdringen. Die Algorithmen hinter diesen Texterzeugern sind auf Effizienz und Eindeutigkeit programmiert. Für ein Sprachmodell ist es mathematisch sinnvoll, einen Begriff gegen einen anderen auszuspielen, um eine klare Richtung vorzugeben. Das Ergebnis ist eine Sprache, die sehr bestimmt auftritt, aber nur wenig Raum für Zwischentöne oder gar Zweifel lässt.
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Ihre heutige Omnipräsenz verdankt diese Floskel vor allem dem Einfluss des amerikanischen Sprachraums. Im Englischen gilt die direkte Gegenüberstellung – das „Not this, but that“ – als Ideal für Klarheit und Durchsetzungskraft. Diese Vorliebe für den sogenannten „Plain Style“ prägt nicht nur die US-amerikanische Debattenkultur, sondern auch die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. Da die führenden Sprachmodelle primär mit englischsprachigen Daten trainiert wurden, haben sie diese binäre Logik tief in ihre Struktur aufgenommen.
Im Deutschen wirkt das oft seltsam ungelenk und überheblich. Unsere Sprache verfügt über einen großen Schatz an Begriffen, die Bedingungen und Einschränkungen beschreiben. Wir nutzen Wörter wie „zwar“, „allerdings“ oder „gleichzeitig“, um auszudrücken, dass eine Sache selten ohne ihr Gegenteil existiert. “Es kommt darauf an” mag wie eine hohle Floskel klingen, weist aber die Komplexität hin, die vielen Themen zu eigen ist. Wenn wir diese Feinheiten aufgeben und stattdessen in starren Gegensätzen sprechen, verliert die Kommunikation ihre menschliche Wärme und ihre Glaubwürdigkeit. Gerade im Marketing ist das ein Problem.
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Die Gefahr der sprachlichen Zuspitzung ist Ausgrenzung
Wenn wir behaupten, eine Sache sei ausschließlich das eine und auf keinen Fall das andere, zwingen wir unser Gegenüber in ein Korsett. In der Realität ist Führung meist beides: das Gewähren von Freiräumen und die Übernahme von Verantwortung. Erfolg braucht oft beides: eine kluge Strategie und die Bereitschaft, sich anzustrengen. Wer sich mit SEO beschäftigt, muss sich heute mit Rankings und mit KI-Sichtbarkeit auskennen.
Wer diese Anteile gegeneinander ausspielt, betreibt eine Vereinfachung, die dem Leser die eigene Urteilskraft abspricht. Es wird eine Wahrheit behauptet, die keine Ergänzung duldet. Das ist im Kern ein autoritärer Stil, der den Dialog eher beendet, als ihn zu fördern. In der professionellen Kommunikation ist das kontraproduktiv.
SEO vs. GEO: Wenn die „Falsche Alternative“ die Strategie blind macht
Dieser Trend zur Ausgrenzung hat inzwischen auch die SEO-Szene erreicht und gespaltet. In Fachkreisen wird die klassische Suchmaschinenoptimierung (SEO) oft gegen die Optimierung für KI-Systeme (GEO) ausgespielt. Es wird bewusst der Eindruck erweckt, man müsse sich für eine Seite entscheiden: Entweder man kämpft um die herkömmlichen Rankings (alt) oder man optimiert für die Zitate in den KI-Antworten (neu).
Dahinter steckt ein kognitiver Fehler, den Rolf Dobelli in seinem Buch “Die Kunst des klaren Denkens” als die „Falsche Alternative“ beschreibt: Wir neigen dazu, komplexe Entwicklungen in ein binäres Entweder-oder zu pressen, obwohl dazwischen unzählige Nuancen liegen.
In der Praxis ist die Trennung von SEO und GEO schädlich, da beide Welten auf denselben Grundlagen fußen, etwa auf inhaltlicher Tiefe und technischer Sorgfalt. Ohne SEO keine KI-Sichtbarkeit, die aktuelle Studienlage ist hier recht eindeutig.
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Wer diese Disziplinen gegeneinander ausspielt, riskiert strategische Blindheit: Er investiert einseitig in neue Trends und verliert gleichzeitig aus den Augen, dass SEO weiterhin enorme Reichweiten und auch Umsatz erzeugt. Wahre Sichtbarkeit entsteht nicht durch den Ausschluss eines Kanals, sondern durch das intelligente Zusammenspiel aller digitalen Berührungspunkte.
Gleichzeitig wird mit der binären Rhetorik behauptet, dass SEO die neuen KI-Systeme völlig ausblendet und zerstört so ganz nebenbei das mühsam aufgebaut Vertrauen in die gesamte Branche. Es gibt niemanden in der SEO-Branche, der sich nicht mit den neuen Suchsystemen beschäftigt.
Warum wir die „Sondern-Sager“ entlarven
Wir erkennen KI-Texte heute deshalb so schnell, weil sie keine Zweifel kennen: Ein Mensch, der ein komplexes Projekt geleitet hat, würde niemals sagen: „Es ging nicht um das Budget, sondern um das Team.“ Er würde sagen: „Das Team war entscheidend, aber ohne das Budget wären wir trotzdem gescheitert.“
KI-Texte greifen häufig auf stark kontrastierende Muster zurück, weil solche rhetorischen Strukturen in Trainingsdaten sehr präsent sind und als besonders prägnant gelten. Es ist die Logik des Schlagworts. Plattformen verstärken diese simple Rhetorik zusätzlich: Klare Gegensätze erzeugen schnelle Reaktionen, mehr Interaktionen und damit größere Reichweite, sei es durch Zustimmung oder Ablehnung. Differenzierte und komplexere Aussagen performen meist schlechter und werden entsprechend seltener ausgespielt. Kunden verlangen nach schnellen Antworten, wie sie sie von KI-Systemen gewohnt sind und der Markt liefert sie, oft in Form von minderwertigem KI-generiertem “Slop”.
Auf Plattformen wie LinkedIn führt das zu einer Inflation der Banalitäten: Alles wird zum Entweder-oder aufgeblasen, bis jede fachliche Tiefe und jede Nuance verloren geht. Immer mehr Menschen entwickeln ein Sensorium für KI-Texte und lehnen sie ab. Wer Content mit solchen offensichtlichen Floskeln veröffentlicht, ist einfach zu entlarven und schadet letztlich seiner Reputation.
Zurück zum „sowohl als auch“
Die Welt um uns herum wird immer komplizierter, KI-Technologie überfordert viele Menschen und erzeugt Ängste. Und das ist bekanntermaßen die beste Voraussetzung für Unternehmen und Parteien, die vermeintlich einfache Lösungen haben, weil sie die Realität leugnen und die Komplexität einfach ausblenden und unbelegte Behauptungen ständig wiederholen.
Es ist an der Zeit, dem Drang zur radikalen Vereinfachung zu widerstehen, auch wenn er verlockend und erfolgsversprechend scheint. Ein Text gewinnt an Tiefe, wenn er Widersprüche aushält und die Gleichzeitigkeit verschiedener Aspekte anerkennt. Wahre Fachkenntnis zeigt sich oft darin, dass jemand die Grenzen des eigenen Wissens benennt und verschiedene Perspektiven nebeneinander stehen lassen kann.
Es erfordert viel mehr Mühe, ein „Sowohl-als-auch“ zu formulieren, als ein scharfes „Sondern“. Doch genau in dieser Mühe liegt die Wertschätzung für das Thema und für die Menschen, die den Text lesen. Wir sollten uns wieder trauen, die Welt in ihrer ganzen Komplexität zu beschreiben, mit unseren eigenen Gedanken, statt nur zu vereinfachen.
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Udo Raaf (Geschäftsführer)
Udo Raaf ist Publisher und SEO-Berater mit über 15 Jahren Erfahrung in der strategischen Suchmaschinenoptimierung für Unternehmen, Agenturen und gemeinnützige Organisationen.
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