SEO Texte: Wie lang sollte ein Artikel für Google sein?

Seit Jahren wird heftig darüber gestritten, wie ein perfekter SEO-Text für Google aussehen sollte. Die SEO-Experten von backlinko haben 1 Million Seiten ausgewertet und herausgefunden, wie viele Worte ein SEO-Text enthalten sollte.

Die SEO-Szene ist sich weitgehend einig: „SEO-Texte“ gibt es heute eigentlich nicht mehr. Wortwüsten, in dem das Keyword ständig wiederholt wird, werden von Google heute als minderwertiger Content erkannt und fürs Ranking nicht berücksichtigt. Wer heute noch von SEO-Texten spricht, muss das mit lesenswertem Content gleichsetzen. Was guten, lesenswerten Content eigentlich ausmacht, haben wir hier zusammen getragen.

Die Standardantwort jedes SEO, wie lang ein Artikel optimalerweise sein sollte, dürfte „kommt drauf an“ lauten. Es kommt tatsächlich auf die Suchanfrage und den Kontext an. Simple Fragen im Stil von Sprachsuchen beantwortet Google heute selbst. Dafür braucht man keinen Artikel mehr schreiben. 

Einfache Suchanfragen beantwortet Google selbst, dafür braucht man keine Artikel mehr schreiben.

Aus der Analyse von 1 Million Suchergebnissen hat die Agentur backlinko einige interessante Erkenntnisse gezogen, welche Artikel besonders gut performen. 

So gibt es tatsächlich einen direkten Zusammenhang zwischen Wortlänge und Ranking. Im Durchschnitt sind die auf Position 1 bis 3 gerankten Artikel deutlich länger als die Seiten auf den hinteren Rängen. 

Seiten auf Position 1 haben im Schnitt 1890 Worte, so wie dieser Beitrag.  Wer also Artikel schreibt und nicht über ein absolutes Nischenthema, zu dem es noch keine Inhalte im Netz gibt, der sollte sein Thema sehr ausführlich behandeln. 

Seiten mit Rankings auf Postion 1 bis 3 haben – im Durchschnitt – eine signifikant höhere Wortzahl. Quelle: backlink.to

Dass man heute mit kurzen Arikeln kaum mehr eine Chance auf relevante Rankings und damit Reichweite hat, bestätigt auch eine Untersuchung von Social Media Kanälen. Demnach werden (sehr) lange Artikel um ein vielfaches häufiger geteilt als kurze Artikel. Für Facebook beträgt die ideale Artikellänge sogar mehr als 2000 Wörter. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Facebook überwiegend auf mobilen Geräten genutzt wird. 2000 Wörter auf einem Smartphone erfordert langes Scrollen.

Lange Artikel werden auf fast allen Social Media Kanälen signifikant häufiger geteilt.

Aus einer älteren wissenschaftlichen Untersuchung der Pennsylvania State University aus dem Jahr 2007 ist bekannt, dass 80 Prozent aller Suchanfragen auf Information abzielen. Daran dürfte sich bis heute nicht viel geändert haben. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass ausführliche Artikel besser abschneiden als kurze, die viele Fragen offen lassen. 

Schöner Nebeneffekt: wer längere Artikel schreibt hat mehr Rankingchancen zu weiteren Suchbegriffen, die der Beitrag behandelt. So decken lange Artikel häufig 10 oder mehr unterschiedliche Suchanfragen ab. Die Zahl der potenziellen Rankings und der damit verbundenen Reichweite steigt für längere Artikel also signifikant an.

Allerdings sollte man nicht in die Versuchung geraten, einen Text künstlich aufzublähen, nur um die ideale Wortlänge von 1890 Wörtern zu erzielen. Längliche, langweilige Texte oder ein fehlender Fokus haben wiederum schlechte Nutzersignale und höhere Bounce Rate zur Folge. Sprich: Die Leser steigen genervt aus und kehren zur Suche zurück und signalisieren Google auf diese Weise, dass der Artikel offenbar nicht gut genug ist. 

Ein weiteres Missverständnis bei der Interpretation der richtigen Textlänge: bei den oben genannten Untersuchungen werden die Worte der gesamte Webseite gemessen, nicht nur die Netto-Wortzahl des Artikels. Dazu gehören also auch die Navigation, der Footer und andere kleine Texte, die auf einer Webseite zu sehen sind. Während dieser Artikel also „nur“ 455 Wörter enthält, sind auf der gesamten Seite 902 Wörter enthalten. 

Wer also zu einem bestimmten Thema schreibt, sollte darauf achten, dass auf allen Artikeln auch Teaser zu „ähnlichen Artikeln“ eingebunden werden und auch der Footertext themenrelevant ist. 

Rankingfaktoren für gute Google Rankings

Weitere interessante Erkenntnisse der Untersuchung von 1 Million Suchergebnissen:

  1. Backlinks sind weiterhin einer der wichtigsten Faktoren für gute Rankings. Fast alle Top-Rankings verfügen über Backlink von mehreren Domains. Das erklärt, warum Backlinks nach wie vor viel Wert sind und entsprechend hoch gehandelt (und auch bezahlt) werden, selbst wenn Google diese Praxis eindämmen will. 
  2. Der Linktext spielt ebenso eine große Rolle für bessere Rankings. Wer intern verlinkt sollte also seine Links klar und vertständlich betexten, wie zum Beispiel „SEO Workshop in Berlin“. Und nicht etwa nur „Mehr Informationen hier“.  Google muss den Kontext verstehen können, deshalb sollte man sich Google (noch) als ein sechsjähriges Kind vorstellen, dem man alles in einfachen Worten erklären muss.
  3. Die Authority einer Domain ist gerade beim Linkbuilding entscheidend. Ein Link von einer alten, gut gerankten Domain ist viel mehr Wert, als ein Link von einer neuen, kaum bekannten Website. Links von Spiegel, Fokus, Chip und Wikipedia sind also für SEO extrem hilfreich. Von spammigen Linkforen sollte man hingegen die Finger lassen, diese Links besitzen keinen Wert für Google, weil sie für Nutzer keinen Wert besitzen.
  4. Artikel, die sich mit EINEM spezifischen Thema in aller Tiefe beschäftigen ranken signifikant besser als Artikel mit mehreren Themen. Es ist also nützlich, sich ausgiebig seinem Thema zu widmen und Beiträge nicht zu groß aufzuziehen. Echte Rankingchancen gibt es heute sowieso meistens nur noch zu Keyword-Kombinationen und nicht zu Einwort-Suchen wie „Europa“. Wer einen Artikel zu Europa schreiben will, muss exakt abgrenzen, um welchen Teilaspekt es geht. Um zu sehen, ob es realistische Rankingchancen gibt: ist bei der Suche nach dem eigenen Thema Wikipedia, Spiegel und Zeit auf den ersten Suchergebnissen zu sehen, sind die Chancen für gute Rankings für kleinere Websites eher überschaubar. 
  5. Sichere Seiten (https) ranken inzwischen signifikant besser als unsichere Seiten. Das hängt aber vermutlich eher damit zusammen, dass große wichtige Websites diese im Sinne der neuen Datenschutzverordnung wichtige Umstellung längst vollzogen haben. Eine der reichweitenstärksten Seiten in Deutschland hat diese Umstellung bisher nicht umgesetzt und zeigt in diesem Jahr eine klare Abwärtstendenz bei der Sichtbarkeit auf Google. Es ist also allen Websites dringend zu empfehlen, ein SSL-Zertifikat zu installieren und auf https umzustellen
    Ohne Umstellung auf https verliert Spiegel.de kontinuierlich an Sichtbarkeit auf Google.
  6. Erstaunlicherweise haben Rich Snippets so gut wie keinen Einfluss auf höhere Rankings. Der positive Effekt dieser angereicherten Suchergebnisse (mit Sternen, Bildern oder Bewertungen) beschränkt sich also auf höhere Klickraten aufgrund optischer Hervorhebung in den Suchergebnissen. Über die Qualität der Inhalte sagt ein derart optimiertes Snippet nichts aus, insofern ist es auch für Google nicht relevant. 
    Angereicherte Suchergebnisse („Rich Snippets“) wie etwa bei Videos haben keinen Einfluss auf Rankings, wohl aber auf Klickraten.
  7. Texte mit einem Bild hatten nachweislich höhere Rankings als Texte ohne Bilder. Die Menge der Bilder hat jedoch keinen Einfluss auf Rankings, ob 1 oder 3 Bilder macht also keinen Unterschied mehr. Im Sinne der Nutzerfreundlichkeit sollte man aber Texte gut lesbar strukturieren, was eine ansprechende Bebilderung beinhaltet.
  8. Überraschend: Keywords müssen heute nicht mehr zwingend im Title enthalten sein, Google beherrscht inzwischen auch Semantik und rankt auch Artikel, die die Suchanfrage überhaupt nicht enthalten. Trotzdem raten wir für bessere Klickraten weiterhin dazu, sich über die Suchanfrage im Klaren zu sein bei der Artikelproduktion und die Suchbegriffe auch im Title zu verwenden. 
  9. Site Speed wird immer wichtiger und die Top Suchergebnisse haben in der Regel eine schnellere Ladezeit. Allerdings sind das häufig eben auch sehr große, stark optimierte Seiten wie Wikipedia oder Amazon, die Aussagekraft dieses Ergebnisses ist also eher überschaubar. Natürlich sollte man keinen überflüssigen Ballast produzieren, aber unter keinen Umständen am Text sparen. 
  10. Gut rankende Seiten haben häufig eine niedrige Bounce-Rate. Trotzdem sollte man die Bounce-Rate nicht alleine betrachten, Verweildauer oder Trafficquelle gehören bei der Bewertung mit dazu.
  11. Gut rankende Seiten haben häufig eine kurze URL. Diese Aussage sollte man ebensowenig überbewerten, zumal sich die URL meistens automatisch aus der Headline eines Artikels zusammen setzt. 

Quelle: Backlinkto

Wie lang ist ein Artikel mit 1890 Worten?

Wer diesen Artikel bis zum Ende gelesen hat, wird vermutlich zum Schluss kommen, dass dieser recht ausführlich und lang geraten ist. Tatsächlich enthält er bis zu diesem Punkt „nur“ rund 1300 Worte.

Viele fachspezifische Seiten haben am Ende ihrer Beiträge noch eine Kommentarfunktion, in der Nutzer zum Thema Fragen stellen oder ihre Meinung zum Artikel veröffentlichen können.

Auch das kann wertvoller Content sein, der die Wortmenge auf sinnvolle Weise erhöht. Da wir momentan auf eine Kommentarfunktion verzichten (wir freuen uns natürlich trotzdem über jedes Feedback zu unseren Inhalten), müssen wir also diesen Beitrag künstlich in die Länge ziehen, um zu zeigen, wie viel Text 1890 Worte tatsächlich sind und wie lange man dafür lesen bzw. scrollen muss. 

Was sagt Google eigentlich selbst zum Thema Textlänge?

Wie immer gibt sich Google eher wortkarg mit konkreten Empfehlungen. John Mueller sagte 2014 auf die Frage eines Webmasters etwas ausweichend:

"Es gibt keine Mindestlänge, und es gibt keine Mindestanzahl von Artikeln pro Tag, die Sie posten müssen, noch eine minimale Anzahl von Seiten auf einer Website. In den meisten Fällen ist Qualität besser als Quantität. Unsere Algorithmen versuchen ausdrücklich, Websites zu finden und zu empfehlen, die qualitativ hochwertige, einzigartige und überzeugende Inhalte bieten. Füllen Sie Ihre Website nicht mit minderwertigen Inhalten, sondern arbeiten Sie dafür, dass Ihre Website die beste ihrer Art ist." (John Mueller /Webmaster Trends Analyst bei Google)

Dass Google keine Gebrauchsanweisungen für SEO veröffentlicht, ist hinlänglich bekannt. Schließlich würden dann nur noch optimierte Artikel in den Suchergebnissen vorne auftauchen und nicht die besten Artikel.

Wir empfehlen also auch weiterhin jedes Thema nur genau so ausführlich zu behandeln, wie es sinnvoll und gut lesbar ist und nicht zu sehr auf durchschnittliche statistische Werte zu achten, so wie ich bei diesem Beitrag. Denn mit dem zusätzlichen Zitat und den nebensächlichen Ausführungen am Ende habe ich es nun endlich geschafft, den Artikel tatsächlich auf 1890 Worte zu strecken.

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