Eine aktuelle Analyse des SEO-Tools Sistrix bei OMR zeigt dramatische Veränderungen in der Google-Suche: Die Klickraten fallen um über 60 Prozent geringer aus, wenn KI-Antworten zu sehen sind.
Sistrix-Geschäftsführer Johannes Beus beschreibt diese Entwicklung als grundlegend: „Wenn Google eine AI-Antwort ausspielt, bricht die Klickrate auf Platz 1 im Schnitt um 60 Prozent ein.“ Gleichzeitig macht er deutlich, dass es sich nicht um eine temporäre Veränderung handelt. „Der Traffic, der jetzt zu Google wandert, kommt nie wieder zurück.“
Viele Suchanfragen werden von KI direkt beantwortet
Die Auswertung zeigt kein klassisches Ranking-Problem, das häufig die Ursache nachlassender Klicks ist. Viele Seiten behalten ihre Positionen in den Suchergebnissen und stellen trotzdem einen starken Rückgang bei den Klickzahlen in der Google Search Console fest.

Der Grund: Google beantwortet viele Fragen inzwischen direkt, ein Umweg über Webseiten ist nicht mehr notwendig. Die organischen Treffer bleiben zwar im Ranking sichtbar, verlieren aber an Bedeutung für den tatsächlichen Traffic, weil die KI-Antworten vor den organischen Suchergebnissen angezeigt werden.
Diese Entwicklung betrifft vor allem Suchanfragen, die sich eindeutig und eher einfach beantworten lassen. Inhalte, die klar strukturiert und ohne Interpretationsspielraum sind, werden besonders häufig direkt in den Suchergebnissen verarbeitet.
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Besonders betroffen sind standardisierte Inhalte
Sistrix zeigt, dass vor allem bestimmte Seitentypen an Klicks verlieren. Dazu gehören Inhalte, die sich aus bestehenden Informationen zusammenstellen lassen und keinen eigenen Erkenntnisgewinn liefern.
Typische Beispiele sind:
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Schreiben Sie mich einfach an und nennen Sie mir die aktuellen Herausforderungen.
- Seiten, die Begriffe definieren oder Grundlagen erklären
- Ratgebertexte ohne eigene Daten oder Erfahrungen
- Anleitungen mit festem, vorhersehbarem Ablauf
Ein konkretes Szenario: Eine Seite beschreibt, wie man ein Konto bei einer bestimmten Bank eröffnet und welche Unterlagen benötigt werden. Diese Struktur lässt sich vollständig von KI-Systemen abbilden. Der Nutzer erhält die Information direkt in der Suche.

Sichtbarkeit reicht nicht mehr aus
Ein zentrales Ergebnis der Analyse ist die Entkopplung von Sichtbarkeit und Nutzung. Inhalte können weiterhin gut ranken, ohne entsprechend geklickt zu werden. Die Klickraten für Position 1 Rankings ist über die Jahre immer stärker gesunken, weil Google immer mehr Fragen direkt beantwortet und liegt der aktuellen Erhebung zufolge derzeit bei nur noch 11 Prozent. Das ist zwar deutlich mehr als bei Google Ads, aber viel weniger als vor der Einführung der AI Overviews.
Für die Bewertung von Content bedeutet das eine Verschiebung: Die reine Position in den Suchergebnissen sagt immer weniger darüber aus, ob ein Inhalt tatsächlich genutzt wird.
Johannes Beus verweist darauf, dass ein wachsender Teil der Wertschöpfung innerhalb von Google selbst stattfindet. Inhalte dienen zunehmend als Datenquelle, nicht mehr als Zielseite.
Unterschiedliche Auswirkungen je nach Geschäftsmodell
Die wirtschaftlichen Folgen hängen davon ab, wie stark ein Angebot von Reichweite abhängt.
Bei werbefinanzierten Modellen führt ein Rückgang der Klickzahlen direkt zu geringeren Einnahmen. Hier ist Traffic die zentrale Grundlage. Entsprechend gibt es bereits mehrere Klagen von Verlagshäusern, die gegen Google um ihre Existenz kämpfen müssen.
Im B2B-Bereich ist die Situation häufig anders. Entscheidend ist nicht die Menge der Besucher, sondern deren Relevanz. Inhalte müssen also gezielt Nutzer erreichen, die sich mit einem konkreten Problem beschäftigen und eine vertrauenswürdige Lösung suchen. Hier sind KI-Antworten häufig nicht ausreichend. Eine Datenanalyse zeigt, welche Inhalte noch funktionieren und Traffic generieren und welche nur als KI-Futter verpuffen, aber keinen Impact aufs eigene Geschäft mehr haben.
Empfehlungen für die Content-Strategie
Ich betreue mehrere Seiten aus unterschiedlichen Branchen (SEO, Finanzen, Bildung, Politik, Musik,…) und kann ein Jahr nach Start von Googles “Übersichten mit KI” und ein halbes Jahr nach Launch des KI-Modus folgende Empfehlungen geben:
- Sichtbarkeit nicht mehr als primäre Kennzahl verwenden. Entscheidend ist der Beitrag eines Inhalts zu Leads, Anfragen oder Umsatz.
- Inhalte konsequent nach ihrer Funktion bewerten. Themenbereiche ohne klaren Bezug zu den eigenen Zielen sollten reduziert oder ganz eingestellt werden.
- Keine Ressourcen mehr in Formate investieren, die vollständig von KI beantwortet werden können, insbesondere Definitionen und generische Ratgeber ohne Mehrwert.
- Stattdessen Inhalte aufbauen, die auf eigenen Daten oder Erfahrungen basieren, etwa Auswertungen, Fallstudien oder dokumentierte Projekte.
- Themen so aufbereiten, dass sie als Entscheidungsgrundlage dienen, nicht nur als reine Information.
- Den bestehenden Traffic stärker nutzen. Inhalte sollten klar auf nächste Schritte ausgerichtet sein und konkrete Handlungen ermöglichen (Optimierung von Call-To-Action für Newsletter oder Registrierung).
- Eigene Kanäle aufbauen, um Abhängigkeiten von Google zu reduzieren, beispielsweise über Newsletter oder Web Apps, die der Zielgruppe die Möglichkeiten erweitern.
- Zusätzliche Angebote integrieren, etwa Tools oder Testzugänge, um Nutzer langfristig zu binden.
- SEO intensivieren: SEO ist so wichtig wie nie zuvor, um die Strategie zu überarbeiten und diese neuen Erkenntnisse umzusetzen. Zufälligen Traffic gibt es künftig so gut wie gar nicht mehr.
Die Daten von Sistrix zeigen, dass sich die Bewertung von Content verschiebt. Zufällige Treffer werden immer rarer, die Bedeutung von SEO und kontinuierlicher Analyse der Daten nimmt zu. Content muss heute höchsten Qualitätsansprüchen genügen und einen echten Mehrwert bieten, einfache Antworten werden künftig nicht mehr gebraucht, hier ist der Markt gesättigt und neue Webseiten überflüssig. Ob das so Bestand haben kann, darüber werden sich die Gerichte streiten müssen.
Aus der Politik kommen derzeit nicht viele Signale, die auf eine Umkehrung dieses Trends durch scharfe Regulierung und eine Verteidigung des Urheberrechts gegen die Interessen der KI-Giganten hindeuten würde, obwohl es bereits viele Alarmsignale gibt, dass es sich bei der Technologie um eine massive Umverteilung von unten nach oben und von Europa in die USA handelt.
Udo Raaf (Geschäftsführer)
Udo Raaf ist Publisher und SEO-Berater mit über 15 Jahren Erfahrung in der strategischen Suchmaschinenoptimierung für Unternehmen, Agenturen und gemeinnützige Organisationen.
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