Die Google-Suche differenziert sich seit März 2025 deutlicher denn je: während Google früher eine Liste mit 10 blauen Links anzeigte, gibt es nun immer mehr Anzeigen und direkte Antworten und damit signifikant weniger Klicks. Was das für Unternehmen bedeutet.
Eine wichtige Information vorab: Google bleibt auch im KI-Zeitalter die mit Abstand größte Suchmaschine mit einem Marktanteil von über 90 Prozent. Im Vergleich dazu kommt ChatGPT für Suchanfragen laut einer aktuellen Erhebung von Sistrix nur auf einen Anteil von 5 bis 9 Prozent. Alle anderen Modelle sind für die Suche quasi nicht relevant, da sie eher Text-Produktionstools sind, die überwiegend auf Trainingsdaten zugreifen und gar nicht als Suchmaschine genutzt werden.
Viele KI-Vergleiche zeigen nur Gemini, dabei erzeugt die Google Suche rund 15 Milliarde Suchanfragen pro Tag, ChatGPT zwischen 0,57 und 1,31 Milliarden such-relevante Anfrage pro Tag.
KI-SEO vs. GEO: Warum die begriffliche Trennung in die Irre führt
Aktuell wird verstärkt der Begriff GEO (Generative Engine Optimization) propagiert. Doch diese Abgrenzung ist wenig zielführend. SEO beschreibt die Optimierung für alle Suchsysteme. Nur wer die SEO-Prinzipien beherrscht, optimiert automatisch für die KI-Antworten von morgen. Ohne SEO gibt es kein GEO. Deshalb verwende ich lieber den Begriff “KI-SEO” für SEO für LLMs.
Während Nutzer bei einem Teil der informationalen Suchanfragen eine direkte Antwort erhalten, bleibt die klassische Ergebnisliste bei der großen Mehrheit der Suchanfragen der Standard. Derzeit wird die Sichtbarkeit in diesen neuen KI-Antworten oft bereits als Erfolg gewertet und mit einem klassischen Ranking gleichgesetzt, obwohl diese KI-Antworten so gut wie keine Klicks mehr erzeugen. Eine Zitierung hat also einen sehr überschaubaren Wert, etwa vergleichbar mit einer Fußnote auf Wikipedia.
Wer Inhalte primär als Datenzulieferer für Large Language Models (LLMs) aufbereitet, stellt zwar Informationen bereit, erzielt dadurch aber nicht automatisch wirtschaftlichen Erfolg. Anders als bei klassischen Rankings führen KI-Zitate in vielen Bereichen kaum zu direkten Klicks. Der Fokus von KI SEO liegt daher weiterhin auf der Generierung von konvertierendem organischen Suchmaschinen-Traffic.
KI-SEO: Wie Google generative Antworten erzeugt
Google generiert seine KI-Antworten (AI Overviews oder AI Mode) nicht aus dem statischen Wissen, das beim ursprünglichen Training des Sprachmodells (LLM) gespeichert wurde. Stattdessen kommt ein dynamisches Verfahren namens RAG (Retrieval-Augmented Generation) zum Einsatz. Dieser Prozess läuft bei jeder entsprechenden Suchanfrage in Sekundenbruchteilen über drei zentrale Schritte ab:
1. Die klassische Websuche als Filter (Retrieval)
Gibt ein Nutzer eine Suchanfrage ein, ermittelt Google im ersten Schritt über den klassischen Suchgorithmus die relevantesten Dokumente im Web-Index. Das bedeutet: Die KI generiert nichts im luftleeren Raum, sondern greift exklusiv auf Webseiten zurück, die bereits im Index zu finden sind. Dafür bleibt SEO weiterhin die Basis. Seiten, die nicht im Google-Index auffindbar sind oder nicht in den Top-Ergebnissen platziert sind, sind für diesen Prozess technisch komplett unsichtbar.
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2. Query Fan-outs (Die Aufsplittung der Suchanfrage)
Handelt es sich um eine komplexe, mehrteilige Suchanfrage, nutzt Google das Sprachmodell, um die Intention des Nutzers zu zerlegen. Über sogenannte Query Fan-outs spaltet die KI die Ursprungsfrage im Hintergrund in mehrere Unterabfragen auf. Für jede dieser Unterabfragen wird eine separate Websuche durchgeführt. Wer in diesen Websuchen nicht auftaucht, findet auch hier nicht statt. Die KI sammelt anschließend die Ergebnisse dieser verschiedenen Suchen, um ein umfassendes Informationsfundament zu bauen. Auch das ist SEO und erfordert keine neuen Strategien.
3. Zusammenfassung und Zitation (Generation)
Erst nachdem die Live-Daten aus den Top-Rankings vorliegen, kommt das eigentliche Sprachmodell (wie Gemini) zum Einsatz. Die KI liest die Inhalte der am besten rankenden Webseiten aus, filtert die relevanten Fakten heraus und schreibt diese zu einer einzigen, flüssig lesbaren Antwort zusammen.
Am Ende dieses Prozesses setzt die KI die Quellenlinks zusammen. Sie sind das direkte Nebenprodukt dieses RAG-Prozesses: Die KI verlinkt die Seiten, aus denen sie die Informationen Sekunden zuvor extrahiert hat, um ihre eigene Antwort gegenüber dem Nutzer abzusichern.
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Die neue Metriken in der KI-SEO
Aus dieser Funktionsweise wird deutlich, warum eine bloße Zitierung für Unternehmen meist ein wirtschaftliches Verlustgeschäft ist: Die KI extrahiert das Wissen der Website, stillt das Informationsbedürfnis des Nutzers direkt auf der Suchergebnisseite und macht den Klick überflüssig.
Für die Bewertung von KI-SEO-Maßnahmen ist daher eine strikte Unterscheidung zwischen zwei Mechanismen notwendig, da sie völlig unterschiedliche Effekte auf den tatsächlichen Traffic haben.
Citations (Zitate und Quellenlinks)
Wenn die KI eine Frage direkt beantwortet und die Website lediglich in einer Fußnote als Beleg verlinkt, wird der Klick überflüssig. Die KI nutzt die Website-Inhalte im Hintergrund lediglich als Beweisdokument, um ihre eigene Antwort abzusichern, was nicht immer gelingt. Auch falsche Zitationen oder eine falsche Zuordnung von Quellen sind nach einer Erhebung der EBU an der Tagesordnung. Publisher haben darauf keinen Einfluss. Ein Klick erfolgt meist nur bei einem hohen Validierungsbedürfnis – insbesondere bei komplexen Finanz-, Rechts- oder Gesundheitsthemen –, um die Aussagen der KI manuell zu prüfen.
Mentions (Markennennungen)
Wirtschaftlich besonders relevant sind konkrete Markennennungen im Fließtext der KI, beispielsweise bei der Empfehlung einer bestimmten Software oder Dienstleistung (z.B. “Welches ist das beste SEO-Tool?”). Dies geschieht bei rund 23 Prozent der Nennungen automatisch mit einem Link. Eine solche Mention erzeugt beim Nutzer eine neue Suchabsicht: Er verlässt die KI-Umgebung und führt bei Google eine gezielte Navigationsanfrage (Navigational Query) nach dieser Marke durch. Das bringt zeitversetzten, aber hochqualifizierten Traffic über die eigenen Brand-Suchbegriffe.
Lassen Sie sich also keine inhaltsleeren „Citation Rates“ als “GEO”-Erfolg verkaufen. Reines Zitieren bringt ohne nachgelagertes Brand-Suchvolumen über Google keinen Umsatz. Ganzheitliches KI SEO optimiert nicht auf das bloße Gefundenwerden durch die KI, sondern auf die unmissverständliche Positionierung Ihrer Marke als Markt-Entität, um über den klassischen Google-Kanal konvertierenden Traffic abzugreifen.
Warum klassisches SEO weiterhin die Basis ist
Dass die organische Suche nicht vor dem Aus steht, wie vielfach behauptet wird, belegen die konkreten Daten: Eine umfangreiche Analyse von über 100 Millionen Keywords in Deutschland durch Sistrix zeigt, dass sich die Klickraten nach der Einführung der AI Overviews auf einem konstanten Niveau eingependelt haben. Google spielt KI-Antworten ziemlich konstant bei nur rund 20 Prozent aller Suchanfragen aus (im informationalen Longtail liegt die Quote bei etwa 30 Prozent). Der durchschnittliche Klickverlust über den gesamten Markt hinweg beläuft sich im Durchschnitt bei 6,6 Prozent – bei weit über 90 Prozent des gesamten Suchvolumens bleibt das klassische Klickverhalten also unverändert.
Dass der Großteil der Suchanfragen ohne KI-Antwort auskommt oder Menschen trotz Box gezielt auf klassische Suchergebnisse zugreifen, liegt an drei strukturellen Faktoren:
1. Das kommerzielle Interesse von Google
Google finanziert sein Ökosystem primär über Werbeeinnahmen aus Google Ads und Shopping-Anzeigen. Bei transaktionalen Suchanfragen – also überall dort, wo eine klare Kauf-, Buchungs- oder Abschlussabsicht vorliegt – verzichtet die Suchmaschine deshalb weitgehend auf großflächige KI-Zusammenfassungen.
Die Sistrix-Daten bestätigen dies: E-Commerce-Plattformen (wie Amazon oder Idealo) und Reiseportale verzeichnen Klickverluste von weniger als 2 Prozent. Würde Google den Nutzern hier eine rein informative KI-Antwort vorschalten, würde das die profitablen Anzeigen-Klicks kannibalisieren.
2. Die Grenzen der Text-Zusammenfassung bei komplexen Intents
Nutzer rufen Google nicht nur auf, um einfache Definitionen abzufragen. Bei vielen Suchanfragen steht das Bedürfnis nach tieferer Recherche, dem Vergleich unterschiedlicher Meinungen oder der Nutzung interaktiver Elemente im Vordergrund. Vertrauen spielt dabei eine elementare Rolle. Nach mehreren falschen Antworten beginnen Nutzer den KI-Antworten zu misstrauen und dieses verlorene Vertrauen kommt auch nicht mehr zurück.
Nutzer greifen also ganz bewusst auf die klassischen Suchergebnisse zu, da sie die vollständige Website für die praktische Umsetzung oder zur Meinungsbildung benötigen.
3. Das Vertrauens-Defizit der KI als Traffic-Treiber
Ein weiterer Grund für den bewussten Griff zum klassischen Suchergebnis ist das ausgeprägte Validierungsbedürfnis der Nutzer. Eine Untersuchung der New York Times zeigt, dass Google-KI-Modelle bei komplexen Benchmarks (wie SimpleQA) eine faktische Fehlerrate von rund 9 Prozent aufweisen. Zudem kann die KI über die Hälfte der korrekten Antworten nicht konsistent mit Quellen belegen.
Besonders bei sensiblen, haftungsrelevanten Themen in den Bereichen Finanzen, Recht oder Gesundheit vertrauen Menschen den generativen Texten nicht blind. Während spezialisierte Gesundheitsportale durch die direkte Beantwortung einfacher Fragen bis zu 30 Prozent ihres informationalen Traffics einbüßen, fungieren stark rankende Fach-Websites bei tiefergehenden Fragen als verifizierende Instanz: Nutzer steuern die Primärquellen gezielt an, um die KI-Aussagen manuell abzusichern.
Hier bewährt sich das E-E-A-T-Konzept von Google ernst zu nehmen: nur durch Erfahrung, Expertise und Autorität auf einem bestimmten Fachgebiet entsteht Vertrauen. KI-Antworten können das nicht bieten, Google unterläuft mit seinen KI-generierten Antworten seine eigenen Empfehlungen.
Strategische Handlungsempfehlungen für die Praxis
Aus dieser Daten- und Faktenlage ergibt sich für Unternehmen und SEO-Verantwortliche ein klarer Fahrplan. Statt hektisch auf kurzfristige „GEO-Trends“ anzuspringen, gilt es, die Suchmaschinenoptimierung gezielt auf die veränderten Klick- und Validierungsmuster auszurichten.
1. Keyword-Analyse um den Faktor „KI-Layout“ erweitern
Das klassische Suchvolumen als alleinige Metrik zur Bewertung von Keywords hat ausgedient. In jede Keyword-Recherche muss künftig die Analyse einfließen, ob Google für den jeweiligen Suchbegriff eine KI-Antwort ausspielt und wie stark diese das Layout dominiert. Reine Informations-Keywords, die von der KI mit hoher Genauigkeit direkt auf der Suchergebnisseite beantwortet werden können, sollten in der Priorisierung herabgestuft werden, da ihr Klick-Potenzial dauerhaft sinkt.
2. Fokus auf Conversions statt reinen Traffic-Hype
Wenn ein Nutzer im Jahr 2026 die KI-Antwort überspringt oder über eine nachgelagerte Brand-Suche (ausgelöst durch eine Mention) auf Ihre Website gelangt, hat er die oberflächliche Informationssuche bereits hinter sich. Dieser Traffic steht deutlich tiefer im Marketing-Funnel. Messen Sie den SEO-Erfolg daher nicht mehr primär an der Klick-Quantität, sondern an der Conversion-Qualität. Ein einziger qualifizierter Nutzer, der eine tiefergehende Fachanalyse liest und konvertiert, ist wirtschaftlich wertvoller als hundert Nutzer, die nur eine schnelle Definition abgreifen wollten, aber nicht mit Ihrem Angebot interagieren. Durch Nutzerkontakte oder Newsletter-Abos machen Sie sich zunehmend unabhängig von Google.
3. In „Non-Summarizable Content“ investieren
Der beste Schutz gegen den Klickverlust durch KI-Zusammenfassungen sind Inhalte, die sich nicht sinnvoll komprimieren lassen. Investieren Sie in exklusive Daten, eigene Testreihen, proprietäre Studien und detaillierte Praxis-Fallstudien. Informationen, die nicht zum allgemeinen KI-Trainingsdatenbestand gehören und einen echten, exklusiven Mehrwert bieten, sind der stärkste Anreiz für den bewussten Klick auf die Primärquelle.
4. Interaktive Mehrwerte und Konversions-Pfade entwickeln
Implementieren Sie auf Ihrer Website Werkzeuge, die eine statische KI-Antwort technisch nicht simulieren kann: individuelle Rechner, dynamische Konfiguratoren, interaktive Checklisten oder geschlossene Experten-Foren. Diese Elemente bieten einen funktionalen Nutzwert, der Nutzer zwingt, die KI-Umgebung zu verlassen und direkt auf Ihrer Plattform aktiv zu werden.
5. Die eigene Marken-Entität schärfen
Damit die KI Ihr Unternehmen im Fließtext als Empfehlung nennt (Mention) und nicht nur als anonyme Fußnote nutzt, muss Google Ihre Marke als eindeutige Entität im eigenen Wissensnetz (Knowledge Graph) begreifen. Nutzen Sie strukturiert Daten (Schema.org) konsequent, um die Verknüpfung zwischen Ihren Autoren, Ihren Produkten und Ihrer Fachkompetenz für die Algorithmen maschinenlesbar und unmissverständlich zu hinterlegen.
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SEO bleibt die Basis von Sichtbarkeit auch im KI-Zeitalter
KI-Antworten entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern basieren im Kern aus Relevanz, Bekannheit und Rankings (SEO). Die Daten zeigen jedoch, dass der organische Klick über klassische Rankings das wirtschaftliche Rückgrat im Digital Marketing bleibt, auch um in KI-Antworten sichtbar zu bleiben.
Die Kernaufgabe von moderner KI SEO bleibt daher, transaktionalen Traffic über klassische Suchergebnisse zu sichern, das Vertrauens-Defizit von KI-Systemen durch nachprüfbare Expertise auszugleichen und Inhalte mit klarem Mehrwert für den Nutzer bereitzustellen.
Quellen:
Kevin Indig, State of AI Search Optimization 2026
New York Times: How Accurate Are Google’s A.I. Overviews?
Stripe: The history and future of AI at Google (Podcast mit Sundar Pichai von Google)
Johannes Beus: AI Search: Wie Daten zeigen, dass Google gewinnt
Udo Raaf (Geschäftsführer)
Udo Raaf ist Publisher und SEO-Berater mit über 15 Jahren Erfahrung in der strategischen Suchmaschinenoptimierung für Unternehmen, Agenturen und gemeinnützige Organisationen.
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