SEO und Gendern: Mit oder ohne Sternchen und Doppelpunkt?

In der Suchmaschinenoptimierung gilt ein einfaches Prinzip: Wir optimieren auf das, was Nutzer tatsächlich suchen. Sprachpolitische Ideale oder institutionelle Vorgaben spielen in diesem Kontext nur eine untergeordnete Rolle. Genau hier entsteht ein Konflikt beim Thema Gendern.

Ich habe regelmäßig mit Organisationen zu tun, bei denen gendergerechte Sprache ganz weit oben auf der Agenda steht und als klare Vorgabe an Redaktionen weitergeleitet wird. Doch das verursacht andere Probleme, denn egal wie man es dreht und wendet: niemand sucht mit Gendersternchen, nicht einmal Alice Schwarzer.

Google sieht nur das, was tatsächlich in den Suchschlitz eingegeben wird und wenn Gendern dabei keine Rolle spielt, spielt es auch für Google keine Rolle.

Das Problem, dass sich Gendern nicht in der Breite durchsetzt kann man also nicht Google in die Schuhe schieben, sondern uns allen: wir sind zu faul und für viele ist es zu kompliziert. Gleichzeitig lehnen weiterhin zwei Drittel aller Deutschen Gendersprache komplett ab und fühlen sich dadurch regelrecht getriggert.

Doch wie gehen Redaktionen vor, die sich an solche Vorgaben halten müssen?

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Suchverhalten orientiert sich an Gewohnheiten

Die überwiegende Mehrheit der Suchanfragen folgt etablierten Sprachmustern. Sonderzeichen wie Gendersternchen, Doppelpunkte oder Binnen-I tauchen in Suchanfragen praktisch nicht auf.

Typische Suchanfragen lauten beispielsweise:

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Formen wie „SEO Berater*in“ oder „SEO-Berater:innen“ werden dagegen gar nicht gesucht. Die weibliche Form wird nur dann verwendet, wenn man explizit eine Psychologin sucht und keinen Psychologin. Suchanfragen werden schnell und oft mobil eingegeben. Sonderzeichen oder komplexe Schreibweisen sind dabei unüblich, wir sind dafür schlicht zu bequem.

Für SEO bedeutet das: Die Optimierung muss sich am realen Suchverhalten orientieren.

Gendern im Title und in der H1

Besonders kritisch sind Title-Tag und H1-Überschrift. Diese Elemente gehören zu den wichtigsten Ranking- und Relevanzsignalen einer Seite.

Wenn das zentrale Keyword „SEO Berater“ lautet, sollte diese Form auch im Title und in der H1 erscheinen. Varianten wie „SEO Berater*in“ oder „SEO-Berater:innen“ sind problematisch, weil:

  • sie nicht dem Suchbegriff entsprechen
  • sie die Lesbarkeit im Snippet verschlechtern
  • sie unter Umständen das exakte Keyword ersetzen
  • bei Menschen, die Gendersprache klar ablehnen, nicht ankommen

Aus SEO-Sicht ist daher eine Vorgehensweise sinnvoll:
Genderformen bitte möglichst nicht im Title oder in der H1 verwenden. Es bringt mehr Verwirrung und lässt sich in den meisten Fällen auch anders lösen.

Alternative Begriffe für gendergerechte Sprache verwenden

  • SEO Berater und Beraterinnen
  • SEO Berater (m/w/d)
  • SEO Beratung für Unternehmen und Selbstständige

Diese Varianten erhalten das Hauptkeyword und erfüllen gleichzeitig formale Genderanforderungen, falls diese intern vorgegeben sind.

Im Text selbst besteht deutlich mehr Flexibilität für unterschiedliche Schreibweisen. Hier lassen sich auch verschiedene Lösungen kombinieren, ohne die Keywordrelevanz zu verlieren. Man könnte zum Beispiel einmal von “SEO Berater oder Beraterin” sprechen und später im Text dann das Gendersternchen verwenden, um die Vorgaben zu erfüllen.

Viele Projekte lösen den Konflikt genau auf diese Weise: Das Hauptkeyword bleibt unverändert, während im Text zusätzliche Formen ergänzt und abwechselnd werden, sodass Suchmaschinen verstehen, dass es sich um Synonyme handelt.

Google versteht Varianten, Nutzer suchen trotzdem anders

Moderne Suchmaschinen sind durchaus in der Lage, verschiedene Schreibweisen zu verstehen. Google erkennt, dass „Berater“, „Beraterin“ oder „Beratung“ semantisch verwandt sind.

Trotzdem orientiert sich SEO nicht primär an sprachlicher Systematik, sondern an Nachfrage. Wir verwenden die Begriffe, die tatsächlich gesucht werden, nicht diejenigen, die wir uns wünschen. Das ist ein ganz entscheidender Erfolgsfaktor und sollte nicht ideologischen Überlegungen geopfert werden.

Tipps für die Praxis

In vielen Projekten hat sich eine pragmatische Vorgehensweise etabliert:

  • Hauptkeyword in der üblichen Suchform verwenden (also meistens männlich oder männlich UND weiblich, um es inklusiv zu machen).
  • Genderformen (Sternchen, Doppelpunkg, binnen I) grundsätzlich nicht im Title oder in der H1 einsetzen. Das verursacht mehr Probleme für die Verständlichkeit als es löst.
  • Zudem eignen sich Satzzeichen nicht für saubere URLs. Das Wort “Psycholog*innen würde als URL zu einem psycholog-innen.
  • im Fließtext bei Bedarf andere Formen ergänzen, sofern dies für die Organisation wirklich elementar wichtig ist.

Diese Kompromisslösung erhält die SEO-Relevanz einer Seite und reduziert gleichzeitig Konflikte mit redaktionellen oder institutionellen Vorgaben.

 

Udo Raaf (Geschäftsführer)

Udo Raaf ist Publisher und SEO-Berater mit über 15 Jahren Erfahrung in der strategischen Suchmaschinenoptimierung für Unternehmen, Agenturen und gemeinnützige Organisationen.

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