Warum der Website Relaunch heute (meistens) überflüssig ist

Der Relaunch gehört zum Standard-Repertoire fast jedes Unternehmens. Alle paar Jahre wird eine Website komplett neu gebaut für viel Geld, die Erfolge sind aber meistens eher überschaubar. 

„Wann hat Amazon eigentlich seinen letzten Relaunch gemacht?“ fragte Online-Marketing-Guru Karl Kratz in seiner Kolumne in der letzten Ausgabe von Website Boosting. Und liefert die Antwort gleich mit: „Noch nie!“.

Homepage Amazon: Konsequente Weiterentwicklung statt Relaunch

Auch Facebook oder Google relaunchen ihre Websites niemals, sondern entwickeln sie kontinuierlich  und schrittweise fort. Das ist erstens wesentlich günstiger und zweitens auch wesentlich erfolgversprechender.

Wir haben unser Musikmagazin Tonspion im Jahr 2016, acht Jahre nach dem letzten Relaunch, komplett neu gebaut, obwohl die alte Seite sehr gut performte. Der Grund war allerdings ein sehr gewichtiger: die alte Seite konnte nicht mehr weiter entwickelt werden, weil sie von Grund auf falsch und stümperhaft programmiert wurde. Sie war weder update-fähig (und damit anfällig für Hacker) und auch nicht auf mobilen Geräten nutzbar. Es musste also ein Relaunch her und der dauerte über sechs Monate und kostete viele Nerven und eine ganze Stange Geld. Lehrgeld!

Es gibt heute nur noch zwei Gründe für einen Relaunch:
1. Massive technische Probleme mit dem CMS
2. Keine mobile Version

Wer bereits eine vernünftig aufgesetzte Seite hat, die auch bei Google gefunden wird, sollte die guten Rankings nicht durch überflüssige Relaunches gefährden. Tatsächlich verlieren die meisten Websites nach einem Relaunch ganz massiv an Sichtbarkeit. Weil die Verantwortlichen nur ans Design denken, aber darüber die ganz wesentlichen technischen Anforderungen vergessen.

Starker Sichtbarkeitsverlust von heute.at nach einem Relaunch. (Quelle: Sistrix)

Manchmal sind die Optimierungen tatsächlich so überzeugend, dass sich eine Domain nach einigen Monaten wieder erholt oder aber – und das ist viel wahrscheinlicher – es werden Fehler eingebaut und die alten, über Jahre aufgebauten Rankings sind für immer verloren oder müssen mit noch mehr Geld wieder aufgebaut werden.

„Kein vernüftiger Mensch würde im echten Leben (…) bewusst Risiken eingehen, die das gesamte Unternehmen gefährden. Im digitalen Bereich scheint jedoch alles eine Rechtfertigung zu finden.“ (Karl Kratz in der Website Boosting 05/2017)

Die Risiken eines Relaunchs übersteigen die Chancen tatsächlich in den meisten Fällen ganz massiv. Und das rechnet sich am Ende fast nie, worauf Karl Kratz zurecht schon seit vielen Jahren immer wieder hinweist. Trotzdem wird weiter munter gerelauncht in Deutschland und komplette Teams mit einem überflüssigen Projekt beschäftigt.

Oft wird Web-Entwicklern blind vertraut, ohne zu zu wissen, dass sie keine SEO oder Online Marketing-Spezialisten sind und sich meistens auch nicht besonders für die Performance einer Website nach dem Relaunch interessieren. Dafür werden sie nicht bezahlt. Und das ist nicht ihre Aufgabe. Dieses „Prinzip Hoffnung“ rächt sich. Vor allem wenn man mit externen Agenturen zusammen arbeitet und nicht mit Inhouse-Entwicklern.

Viel sinnvoller ist es also, bestehende Webseiten konsequent zu optimieren und das Budget statt in eine komplette Neuentwicklung und ein aufwendiges Design in nachhaltige SEO- und Content Marketing-Maßnahmen zu investieren. 

Content Management Systeme wie WordPress oder Drupal bringen heute schon sehr brauchbare Themes mit, die auf den Aufwand für Entwicklung und Webdesign extrem minimieren können. Viele Designelemente von Websites sind inzwischen de facto Standard und sollten auch gar nicht groß verändert werden, weil sich die Nutzer sonst nicht mehr intuitiv zurecht finden und eine Seite nicht nutzen.

Kleinere Blogs oder Firmen-Portfolios brauchen heute gar keinen Webdesigner oder Entwickler mehr. Es gibt tausende dieser vorgefertigten und tausendfach bewährten Themes, die bereits für 50 Euro oder weniger zu haben sind und trotzdem solide ihren Dienst leisten. Weil diese Themes oft über Jahre entwickelt und fortlaufend optimiert werden.

Alle weiteren Optimierungen können auch bei laufendem Betrieb vorgenommen werden. Man muss eben nur herausfinden, an welcher Stellschraube man drehen muss, damit eine Website besser funktioniert. 

Welche Elemente maßgeblich für den Erfolg einer Website verantwortlich sind, lest ihr in unserem Beitrag „Rankingfaktoren 2017“ sowie in unserer Liste 10 Dinge, die jeder über SEO wissen sollte.

 

MEHR SEO TIPPS

Google bietet Website Builder für Unternehmen Neue Konkurrenz für Web-Entwickler und Web-Hoster: Google bietet Business Kunden ab sofort einen Website Builder, mit dem man mit ein paar Klicks sein...
Interne Links: Der direkte Weg zu mehr Sichtbarkeit Zu den unterschätztesten SEO-Strategien für mehr Sichtbarkeit im Netz gehören strukturierte interne Links. Dabei sind interne Links ein wichtiges Rank...
Keyword Kannibalismus: Interner Wettbewerb schwächt Google Rankings Eine häufige, aber selten erkannte Ursache für schwache Google Rankings - und somit wenig Traffic - ist der sogenannte "Keyword Kannibalismus": mehrer...
Kostenlose SEO-Erstanalyse für Unternehmen – jetzt anfordern Sie möchten wissen, wie gut Ihre Business-Website bei Google auffindbar ist? Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt den Weg zu besseren Suchmaschinen-Pl...
Studie: Die typischen SEO-Fehler des deutschen Mittelstands 2016 In vielen deutschen Unternehmen ist SEO noch nicht richtig etabliert. Eine Studie brachte zum Vorschein, dass vor allem der Mittelstand im Netz den An...